Greif 2005.
OZ: Montag, 24. Oktober 2005 | Titelseite


„Greif“ beendet Segelsaison

„Leinen los“ hieß es am Wochenende ein letztes Mal in diesem Jahr für die „Greif“. Um die 100 Hand-für-Koje-Segler takelten das Schiff ab.

Wieck „Nu man tau“, sagt Alois Langforth und hastet mit langen Schritten zum Bug der „Greif“, wo bereits elf Männer am Ankerspill auf den nautischen Offizier warten. Ein weiteres Dutzend Helfer hat bereits seine Position auf dem Fockmast eingenommen, wollen die erste Rahe – in diesem Falle die Mars – abseilen. Doch Kapitän Wolfgang Fusch gibt unten am Kai noch kein Kommando. Schickt stattdessen Christian Schulz in die Wanten. Der erfahrene Hand-für-Koje-Segler ist quasi das letzte Glied in der Kette. Dann kann's losgehen mit dem nicht ungefährlichen Manöver. Immerhin wiegen die Querstangen des Segelschulschiffes ein paar Kilo, die jeden noch so starken Seebären problemlos umhauen könnten. Doch dazu kommt es nicht. Die Stammcrew und ihre Mitstreiter lassen Vorsicht walten.
Um die 100 HfK zog es wieder aus ganz Deutschland an den Ryck, um den Zweimaster winterfest zu machen. Im Beisein des Kooperationspartners O2 wurden Segel wie auch Tauwerk eingeholt und ins Winterlager gebracht. Reichlich Arbeit. „Die Rahen müssen gestrichen, Tauwerk überholt, die Wanten mit Labsal behandelt werden“, weiß der Berliner Jörg Krauel, der noch ein paar Tage bleibt. Seit elf Jahren gehört der Forstwirt zum Kreis der eifrigen HfK, die nach ihrem ersten Bordgang nicht mehr von der „Greif“ lassen konnten und seither regelmäßig mit dem Zweimaster über die Ostsee schippern. In ihrem Urlaub, versteht sich. Knapp 7500 Seemeilen legte die Brigantine in dieser Saison zurück. „161 Tage war sie im Einsatz, so viele wie noch nie“, berichtete Klaus Schult, Betriebsleiter des See- und Tauchsportzentrums. Kopenhagen, Gdynia, Klaipeda, Visby. . . Die Liste der Häfen ist lang, in denen das Schiff anlegte. Und die Resonanz – ungebrochen. „30 Mitsegler können wir jeweils nur mitnehmen. Doch schon jetzt haben wir für den Tallinn-Törn im nächsten Jahr 33 Reservierungen“, freute sich Kapitän Wolfgang Fusch.

Mit gutem Gefühl blickt auch Matthias Gattner auf die nächste Saison. Der immer fröhliche Smutje des Schiffes konnte als Vorsitzender des Fördervereins Rahsegler Greif am Sonnabend sechs neue Mitglieder begrüßen. „Damit sind wir 486 und machen zum 15. Vereinsjubiläum 2006 wohl die 500 voll“, hofft er. Die Mitgliedsbeiträge sind neben den Sponsorengeldern ungemein wichtig. „Ein Teil der Takelage muss jetzt erneuert werden“, erzählt Matthias Gattner, während er die Reste des Kohleintopfs in der Gulschkanone zusammenkratzt. „Doch kein Problem“, winkt er ab, „wir haben Geld angespart.“

PETRA HASE