Katastrophenübung
OZ: Montag, 24. Oktober 2005 | Blickpunkt


Mit vereinten Kräften den Deich gestärkt

Stralsund/Born (OZ) Kurz vor sechs Uhr treffen die Feuerwehrleute am Samstagmorgen auf der Stralsunder Hauptwache am Fährwall ein. Noch weiß keiner der Männer so recht, was los ist. Der Wind reißt an ihren Schutzhelmen. Ein Blick auf den tobenden Strelasund erleichtert die Vorstellung, dass eine Sturmflut mit voller Wucht hereingebrochen sein soll.
Unaufhörlich treffen weitere Einsatzfahrzeuge ein: Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Technisches Hilfswerk – 130 Fahrzeuge insgesamt. „Die Sturmflut bedroht Deiche, auf Rügen ist ein Passagierschiff in Brand geraten, hier in der Stadt sind uns die Keller voll gelaufen und der Sturm hat Gebäude beschädigt", schildert der Leiter der Berufsfeuerwehr die Übungslage. Die Einsatzabschnitte werden aufgeteilt, dann rollen die Wagen mit tönenden Sirenen zum Einsatz . Ein Teil davon in Richtung Darß.

In Born hat die Wasserwacht Alarm geschlagen. Bei starkem Wind und hohen Wellen ist ein Deich aufgeweicht. Der Schutzwall droht zu brechen und das dahinterliegende Land zu überfluten. Hektik und Anspannung machen sich breit. Eine steife Brise sorgt an der Einsatzstelle für hohe Wellen und realistische Bedingungen bei der Übung. Das kalte Boddenwasser spritzt den schwitzenden Feuerwehrleuten ins Gesicht, während sie Pfähle einspülen.

Zur Sicherung des gefährdeten Deichabschnitts werden zusätzlich Sandsäcke verlegt. Hand in Hand arbeiten über 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz an der Sicherung der Deichanlagen.

S. ROHDE / N. BUCHMANN

Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Born errichten einen Wall aus Sandsäcken an der Boddenküste.

Foto: S. Rohde

OZ:Dienstag, 25. Oktober 2005 | Hansestadt Greifswald


120 Einsatzkräfte übten Katastrophenfall

Greifswald/Wieck An der ersten länderübergreifenden Katastrophenschutzübung zur Abwehr einer Sturmflut an der Ostseeküste der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein nahmen auch Einsatzkräfte in Greifswald teil.
Bei einem am Sonnabend gegen 8.45 Uhr angenommenen Pegelstand von 2,20 m über Normal waren die Kräfte aller beteiligten Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Behörden gefordert, um das Schadensausmaß so gering wie möglich zu halten. Nach der Alarmierung durch die Leitstelle der Berufsfeuerwehr trat der Führungsstab der Katastrophenschutzbehörde bereits um 2 Uhr morgens zusammen. Zwei Stunden später wurden die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr, des Sanitäts- und Betreuungszuges des DRK und der Deichwehr des Techni-schen Hilfswerkes alarmiert. Bei weiter steigenden Pegelständen musste gegen 7 Uhr die Alarmstufe 3 ausgelöst werden. Die Technische Einsatzleitung nahm ihre Arbeit auf dem Gelände des Stadthafens Ladebow auf. Während das DRK dort auch einen Verpflegungs- und Sanitätsstützpunkt aufbaute, richtete die Berufsfeuerwehr einen Sandsackbefüllplatz ein. Die Deichwehr des THW nahm regelmäßig Kontrollen an gefährdeten Abschnitten in Wieck und entlang der Ryck-Deiche vor. Insgesamt kamen 120 Einsatzkräfte an den Übungsort. Wegen der zu erwartenden Überflutung war die Evakuierung von etwa 1000 Bewohnern der Stadtgebiete Wieck, Ladebow, Eldena, Ostseeviertel/Ryckseite, aber auch der Innenstadt erforderlich. Beim Erreichen des Pegels von 2,00 m rief der Oberbürgermeister den Katastrophenzustand für Greifswald aus. Da die Einsatzkräfte nicht ausreichten, wurde ein Hilfeersuchen an den Landkreis Ostvorpommern gerichtet. Zusätzlich erbat die Stadt von der Bundeswehr materielle und personelle Unterstützung. Gegen 10 Uhr begann der Wasserstand im Ryck zu fallen – die Übung konnte um 14 Uhr beendet werden.

CH. J.